Bindschedler, Carl

Dr. iur., Oberrichter, *1862 bis +1959

 

Geboren in *Männedorf ZH, 22. Mai 1862

Verstorben in +Männedorf ZH, 2. Dezember 1959

Carl Bindschedler wurde am 22. Mai 1862 als Sohn des Landwirts Karl Bindschedler (*1828 bis +1893) und der Pauline geb. Wunderli (*1838 bis +1910) geboren. Er wuchs als Einzelkind am Herweg im Ausserfeld auf. 1882 schloss er die Maturität in Zürich ab. Sein wohlfundiertes juristisches Rüstzeug erwarb er sich an den Hochschulen von Zürich, Strassburg und Berlin. Mit der Dissertation «Die amortisierbaren Papiere nach dem Bundesgesetz über das Obligationen-recht» erlangte Carl Bindschedler 1888 die Doktorwürde. 

Am 10. April 1893 vermählte er sich mit Emma Henriette Staub (*1869 bis +1939). Drei Kinder wurden dem Ehepaar geboren: Tochter Emma (*1894-Todesjahr unbekannt), Sohn Carl Paul (*1895-+1992) und Tochter Hedwig (*1896-+1995). Carl und Hedwig blieben ledig. Emma vermählte sich am 6. März 1923 mit Jakob Berchtold von Uster.

In seiner beruflichen Laufbahn amtete er zuerst als Bezirksgerichtssubstitut in Hinwil, danach als Anwalt und von 1891 bis 1896 als Erster Obergerichtssekretär (von 1891 bis 1896) in Zürich. Mit seiner bleibenden Übersiedlung nach Männedorf eröffnete er im neu erworbenen Sitz zum «Liebegg» ein Rechtsanwaltsbüro (1896 bis 1912). Von 1905 bis 1912 war Carl Bindschedler als Kassationsrichter und schliesslich von 1912 bis 1935 als Oberrichter tätig.

Auch auf kommunaler Ebene betätigte sich Carl Bindschedler aktiv. So war er von 1898 bis 1910 Gemeindepräsident von Männedorf und sass von 1902 bis 1917 als Mitglied der Freisinnigen Fraktion im Kantonsrat. Insbesondere lag ihm der Aufbau der Sekundarschule am Herzen, wo er von 1919 bis 1935 als Präsident der Sekundarschulpflege Einfluss nahm.

Seine tief verwurzelte Heimatliebe fand in drei lokalhistorischen Schriften Ausdruck. So verfasste er 1935 die «Festschrift» zur Jahrhundertfeier der Sekundarschule Männedorf-Oetwil, 1938 die «Geschichte der Gemeinde Männedorf mit besonderer Berücksichtigung des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart» und 1941 den Band «Drei private Erziehungsinstitute im 19. Jahrhundert in Männedorf».

In Dankbarkeit für seine Verdienste verlieh ihm die Gemeinde Männedorf zum 95. Geburtstag das Ehrenbürgerrecht.

Carl Bindschedler bewährte sich auch im Militär: als Justizoffizier war er Untersuchungsrichter und Auditor des Divisionsgerichtes 6 und Grossrichter des Territorialgerichtes 5.

Quelle

- Schweiz. Geschlechterbuch 951, VIII. J. P. Zwicky von Gauen (Hg.), Genalogisches Institut Zwicky, Zürich, S. 556.
- Nachruf auf Alt Oberrichter C. Bindschedler, NZZ, 11.12.1959, Nr. 3884 

Werke

- Die amortisirbaren Papiere nach dem Bundesgesetz über das Obligationenrecht. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der juristischen Doctorwürde der hohen staatswissenschaftlichen Facultät der Universität Zürich vorgelegt von Carl Bindschedler von Männedorf (Zürich), 1888. https://archive.org/details/dieamortisirbar00bindgoog

- «Festschrift» zur Jahrhundertfeier der Sekundarschule Männedorf-Oetwil: Festschrift zur Jahrhundertfeier der Sekundarschule. Verlag Gut, Stäfa, 1935

- Geschichte der Gemeinde Männedorf mit besonderer Berücksichtigung des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Buchdruckerei Stäfa AG, Stäfa, 1939

- Drei private Erziehungsinstitute im 19. Jahrhundert in Männedorf. Stäfa, 1941

Dokumente

» Zum Tode von Dr. iur. Carl Bindschedler. Todesanzeige vom 2. Dezember 1959 sowie Nachruf auf Alt Oberrichter C. Bindschedler aus der NZZ, 11. Dezember 1959, Nr. 3884

» Vorwort zur Geschichte der Gemeinde Männedorf, verfasst im November 1938

» Brief an Frau Dr. (Mary) Bindschedler-Laufer vom 4. November 1947