Bindschedler-Robert, Denise Marcelle
Dr. iur. *1920 bis +2008
Denise Marcelle Bindschedler-Robert wurde als Tochter von Georges Robert (1885-1946) und Marcelle, geb. César (1892-1970) in Saint-Imier geboren. In La Chaux-de-Fonds besuchte sie das Gymnasium, bevor sie an den Universitäten von Lausanne und Bern Rechtswissenschaften studierte. 1945 erwarb sie das Bernische Fürsprecherpatent. Von 1946 bis 1950 war sie als Juristin am Eidgenössischen Politischen Departement beschäftigt, wo ihr späterer Mann ihr Vorgesetzter war. Im Jahre 1949 promovierte sie mit einer Dissertation über die Neutralität der Schweiz.
Im darauffolgenden Jahr heiratete sie Rudolf Bindschedler (1915-1991), der sich ebenfalls auf dem Gebiet des internationalen Rechts einen Namen machte. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor (Rudolf Pierre (1951), Georges Leo (1953) und Catherine Anne (1957)).
Am Genfer Hochschulinstitut für internationale Studien (IUHEI) lehrte Denise Bindschedler-Robert ab 1956 Völkerrecht. Acht Jahre später wurde sie zur ausserordentlichen Professorin ernannt. Bis 1985 blieb sie der Universität in dieser Funktion treu, danach dozierte sie noch als Honorarprofessorin (Humanitäres Völkerrecht, Genfer Konventionen und Menschenrechte).
Im Jahre 1966 wurde sie als erste Frau in den Synodalrat der Christkatholischen Kirche der Schweiz gewählt, dem sie bis 1985 angehörte. Im Jahre 2007 wurde sie zum Ehrenmitglied der christkatholischen Kirchgemeinde St-Imier ernannt, wo ihr Grossvater Pierre César (1853-1912) von 1884 bis zu seinem Tod als Pfarrer gewirkt hatte. Pierre César war eine bekannte Persönlichkeit im «Kulturkampf» und auch als Schriftsteller tätig.
1967 wurde sie zum Mitglied im Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) berufen. In dessen Exekutivkomitee sass sie von 1973 bis 1990, von 1986 bis 1990 bekleidete sie das Amt der Vizepräsidentin.
1973 wird Denise Bindschedler in die bundesrätliche «Beratende Kommission für die Beziehungen der Schweiz zur UNO» gewählt, wo sie 1975 mit Prof. Jeanne Hersch, Vorortspräsident Etienne Junod und Victor H. Umbricht in einem Brief gegen einen Beitritt der Schweiz plädiert, was den Bundesrat zur Rückweisung des Kommissionsberichts veranlasst.
Am 21. April 1975 trat Denise Bindschedler-Robert die Nachfolge des im Vorjahr verstorbenen Antoine Favre am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an. Bei der Wahl setzte sie sich überraschend gegen den erstplatzierten Vorschlag des Bundesrats, den Waadtländer Ständerat Louis Guisan, durch. Sie war nach der Dänin Helga Pedersen die zweite Frau, der dieses Amt übertragen wurde. Ihre Tätigkeit am Gerichtshof endete 1991. Von 1991 bis 1996 stand sie dem Internationalen Institut für Menschenrechte in Strassburg vor.
Auszeichnungen
1979 Medaille Pax Orbis ex Jure der «World Jurist Association» (WJA)
1982 Dr. iur. h.c. Universität Fribourg
1993 Walther Hug Preis der «Professor Walther Hug Stiftung zur Förderung der rechts-wissenschaftliche Forschung», St. Gallen [in Anerkennung ihres Wirkens am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg]
1999 Dr. iur. h.c. der Robert-Schuman-Universität Strassburg
» Veröffentlichungen von Dr. iur. Denise Bindschedler
Quellen: Wikipedia-die freie Enzyklopädie Historisch-biografisches Lexikon
