Bindschedler, «Trinette» Katharina

Vorsteherin der Diakonissenanstalt Riehen BL, *1825 bis +1879

 

Geboren in *Münchenstein BL, 29. Oktober 1825

Verstorben in +wohl Riehen BL, 12. Dezember 1879

Trinette Bindschedler wurde am 29. Oktober 1825 (an anderer Stelle am 28. Oktober 1825) als Katharina Bindschedler von Männedorf in Münchenstein BL als Tochter des Gerold und der Susanne Bindschedler-Bindschedler geboren. Der Vater war erst Spinnmeister und später Direktor der damals sehr bekannten Baumwollspinnerei «Sarasin und Heussler» in Münchenstein BL.

Schon als Kind fiel ihr sanftes und stilles Wesen auf. Sie lernte eifrig; spielen hingegen war nie ihre Sache. Sie erachtete dies als verlorene Zeit. Die letzten beiden Schuljahre besuchte Trinette bei C. Cöllner in Sitzenkirch bei Kandern/D. Cölner, der dort eine Erziehungsanstalt gegründet und geführt hatte. Nach einem Aufenthalt in Yverdon kam sie im Mai 1842 ins Elternhaus zurück. Trinette besuchte Kranke, hielt Sonntagsschule und freute sich über den anregenden Umgang mit christlichen Freunden, die sich oft in ihrem Elternhause trafen. 1850 löste sie ihre Verlobung auf, weil sie erkannte, dass in dieser Verbindung mehr der menschliche als der göttliche Wille massgebend war.

Im Jahre 1852 wurde sie von Christian Friedrich Spittler, dem Gründer der Diakonissenanstalt in Riehen, angefragt, ob sie das Amt der Vorsteherin in dieser Diakonissenanstalt übernehmen wolle. In dieser Anfrage erkannte sie den Willen Gottes und sagt darum zu. Katharina wurde Diakonissin und hiess fortan Schwester Trinette. Pfarrer S. Barth charakterisierte Schwester Trinette in seinem Lebensbild so: «Nach ihrer äusseren Gestalt war sie eher klein als gross, keine geborene Directrice oder ‹Frau Oberin›, eher zart als stark, aber mit einer Spannkraft des Geistes und Freundlichkeit des Herzens ausgerüstet, um das ganze grosse Werk, dem sie sich geweiht, in seiner Länge, Breite und Tiefe zu erfassen und seinen evangelischen Charakter in Freiheit und Liebe, in Einfachheit und Wahrheit auszugestalten.»

Ihre Mitschwestern hat sie 1869 in einem Brief auf folgende Weise ermahnt und ermutigt und in die rechte Richtung gewiesen: «Eins möchte ich die lieben Schwestern bitten, doch nicht so viel zu klatschen und übereinander zu urteilen. Ich finde, man sollte aneinander die guten Seiten hervorheben, anstatt einander zu verkleinern. Ein Jedes steht und fällt seinem Herrn und wer da steht, sehe wohl zu, dass es nicht falle. So oft eine Schwester im Berufe locker wird, sollte man denken: Ich habe durch meine Lieblosigkeit auch dazu beigetragen. Wir haben über den Mangel an rechter Schwesternliebe Busse zu tun; es fehlt der rechte ‹Korpsgeist› untereinander, indem wir einander tragen als Glieder eines Leibes.» 1873 schrieb sie: «Wenn wir uns nicht täglich erneuern lassen und Kraft von Oben im steten, verborgenen Herzensumgang mit unserem Heilande anziehen, unverwandt auf Jesum schauen und das herrliche Ziel im Auge behalten, so sind wir täglich in Gefahr, rückwärts zu kommen.»

Am zweiten Adventssonntag, am 14. Dezember 1879, starb Schwester Trinette. Selber hat sie als Leichentext das Schriftwort aus dem 149. Psalm gewählt: «Er hilft den Elenden herrlich». Viele Menschen von nah und fern kamen zur Beerdigung und bezeugten, dass «hier ein helles Licht des Glaubens und der Liebe in der Gemeinde der Gläubigen für diese Zeit erloschen war und nicht nur das Diakonissenhaus, sondern die ganze Gegend eine ‹Mutter› verloren hatte.» Schwester Trinette war eine Frau, die kein Aufsehen machte, aber viel Ansehen gewann.

Oberschwester Trinette war nicht nur sehr fromm und von grosser Fürsorglichkeit, sondern auch eine äusserst strebsame und tüchtige Leiterin der Diakonissenanstalt. Die Diakonissenanstalt entwickelte sich schnell. Schon nach fünf Jahren hatte die Anstalt bereits neun Stationen mit zehn Schwestern. Im Jahre 1875, nach 23 Jahren, arbeiteten 135 Schwestern auf 28 Stationen in der Krankenpflege, der Armenpflege, der Gefangenen- und Kinderpflege.

Kurzbiographie erstellt von Martin Bindschedler, Zürich 2010

Quellen

- Weinmann Josef: Bindschedler (Männdedorf) in Haagen bei Lörrach. Arbeitskreis Ortsgeschichte Männedorf; Zeitungsartikel wohl in der Zürichseezeitung erschienen, Datum unbekannt
- Bürgerbuch Männedorf 1795-1847, Band 1, zivilstandsamtlich nachgetragen. StaZ E III 71 25. Seite 116
- Tauf-, Ehe- und Totenregister 1807-1841. StaZ E III 71 5. Seite 123
- Schwester Trinette, Oberin/Vorsteherin im Diakonissenhaus Riehen von 1852-1879.
- Barth, Samuel: Schwester Trinette (Catharina Bindschedler): Ein Diakonissenleben. Basel, 1883. Signatur in der Schweizerischen Nationalbibliothek NB: Helveticat: A 426 NB/Magazin Ost

Dokumente

» Schwester Trinette. Ein Diakonisenleben.Von S. Barth, Basel, 1883

» Bindschedler, Katharina: ER hilft den Elenden herrlich. Aus Briefen von Schwester Trinette. Diakonissenanstalt Riehen, 1943

» Bindschedler, Katharina: Kolling, Hubert (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Band 3. hpsmedia, Hungen, 2011, S. 25 - 26

» Spannkraft des Geistes, Freundlichkeit des Herzens. Journalistisch aufbereitete Biographie von Esther Scheidegger Zbinden, Zürich, Oktober 2014